Kürzungen in der Hamburger Kinder- und Jugendarbeit und der Familienförderung

2013 sollen die Mittel für die so genannte offene Kinder- und Jugendarbeit und für die Familienförderung um 10 Prozent gesenkt werden. 

Wo und wie die insgesamt dann wohl 3,5 Millionen Euro wegfallen, sollen die Bezirke entscheiden.

Für die von den Einsparungen bedrohten Einrichtungen (etwa Häuser der Jugend, Bauspielplätze, Spielhäuser, Kinder- und Familienzentren) hätte eine Umsetzung des Vorhabens drastische Auswirkungen. Eine solche Summe ist nicht mehr nur im Gießkannenprinzip zu realisieren, sie hätte wohl auch Schließungen von Einrichtungen zur Folge.

Den kleinen Kinder- bzw. Jugendtreffs um die Ecke droht das Aus.

Kein Wunder, dass erste Bezirke mit Unverständnis reagieren, Widerstand formiert sich in Eimsbüttel und Wandsbek.

In einem Papier heißt es dort, dass die Kürzungen fachlich absolut nicht zu rechtfertigen seien.         

Dass Kinder und Jugendliche jenseits der Schule Räume für ihre Entwicklung brauchen, war bisher von fachlicher und wissenschaftlicher Seite unstrittig. Die Arbeit der Kinder- und Jugendtreffs wurde allgemein wertgeschätzt.

Die Notwendigkeit eines offenen und leichten Zugangs zu Hilfe und Unterstützung vor allem für benachteiligte junge Menschen wurde in den letzten Jahren stets als wichtig hervorgehoben.

Verabschiedet sich die Politik nun womöglich von diesem Leitsatz?

Jedenfalls entscheidet sie sich offenbar für eine recht einseitige Ausrichtung auf Schulen und Kitas. 

Und riskiert damit die Abschaffung bewährter Leistungen, insbesondere für die Kinder, Jugendlichen und Familien, die nicht zu den Gutsituierten der Stadt gehören.  

Aktuell geht es in Hamburg um die flächendeckende Einrichtung von Ganztagsschulen, die zusätzliche Kosten verursacht, andererseits geht es - wie es heißt - um die Einhaltung der Schuldenbremse im Haushalt bei zu erwartenden Steigerungsraten in den gesetzlichen Leistungsbereichen, wie etwa den Erziehungshilfen.

Sind die Angebote der Kinder- und Jugendarbeit und der Familienförderung keine wichtigen und notwendigen gesellschaftlichen  Leistungen?

Ich meine, dass es zu keinen finanziellen Einschnitten in den Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit und der Familienförderung in den Stadtteilen kommen darf.

Es ist wichtig, dass die Kinder- und Jugendtreffs verlässlich und erfolgreich tätig sein können.

Ständig wiederkehrende Haushalts - Konsolidierungsrunden erschweren in großem Maße die notwendige Kontinuität ihrer Arbeit.

Ich denke in diesem Zusammenhang auch an die großen Herausforderungen, denen sich die Jugendhilfe zu stellen hat, wie etwa die stets steigende Kinderarmut, die Gewaltproblematik.           

In Wilhelmsburg ist vor Jahren die so genannte „Bildungsoffensive Elbinseln“ (BOE) installiert worden.

Viele Bildungseinrichtungen arbeiten in der BOE eng vernetzt zusammen,  sinnvolle neue und erfolgreiche Projekte sind für Kinder, Jugendliche und die dazu gehörenden Familien entstanden bzw. sind am Entstehen ( wie etwa das Sprach- und Bewegungszentrum am Rotenhäuser Damm).

2013 werden die IBA und die IGS in Wilhelmsburg eröffnet, letztendlich mit dem Ziel den lange Zeit vernachlässigten Stadtteil nachhaltig aufzuwerten, attraktiver zu machen.

Da wäre es dann doch wohl unsinnig, wenn zeitgleich in der offenen Kinder-  und Jugendarbeit, bei den Familienhilfen Finanzmittel  gekürzt werden. Neue Mauern, Fassaden, Leuchtturmprojekte alleine bringen nichts.

Menschen brauchen Menschen, die für sie da sind, zum Reden, Zuhören, Helfen. Beton kann das nicht.

 

Christian  K.  4/2012