Dreck und Baulärm in Willyburg

Seit vielen Wochen müssen die Anwohner bis in den frühen Abend einen entsetzlichen Baulärm ertragen, weil der ehemalige Flakbunker an der Neuhöfer Straße von der IBA Hamburg zum Energiebunker umgebaut wird.

In diesem Zusammenhang werden die Bunkerwände abgestrahlt, später wird neuer Betonputz aufgetragen.

Der feine Betonstaub weht bis zu den Häusern und Wohnungen der unmittelbaren Anwohner.

Frisch gewaschene Autos sind oft innerhalb eines Tages mit einem feinen Staub überzogen, selbst die Armaturenbretter werden davon in Mitleidenschaft gezogen.

Der neue Bolzkäfig unmittelbar gegenüber dem Bunker, am Haus der Jugend, ist schon toll.

Hier spielen regelmäßig Kinder, Jugendliche und Erwachsene Fußball. Ich habe dort kürzlich während eines Turniers geschiedsrichtert.

Bis 18 Uhr hat das Turnier unter einem ohrenbetäubenden Zischen und Hämmern stattgefunden.

Der Lärm der Bunkerarbeiten ist so schlimm gewesen, dass ich mich kaum mit den Fußballern verständigen konnte.

Gesund ist dieses mit Sicherheit wohl nicht!

Ich wundere mich, dass das alles offenbar zulässig ist, dass sich kaum jemand beschwert!

Doch damit nicht genug: Die Neuhöfer Straße gleicht einer Riesenbaustelle mit absolut allen Unannehmlichkeiten, die dann für Anwohner und Autofahrer damit verbunden sind.

Um etwa in die Schule Rotenhäuser Damm, den Park mit seinen Spielplätzen bzw. in das Haus der Jugend zu kommen, müssen Kinder, Jugendliche, Erwachsene in der Konsequenz zum Teil abenteuerliche Wege zwischen Baumaschinen und der abgetragenen Straße in Kauf nehmen.

Dass das Ganze absolut nicht ungefährlich ist, versteht sich von selbst.

Ein Verantwortlicher vor Ort sagt mir beim Thema Baumaßnahmen, dass Wilhelmsburg für viele Hamburger lange so etwas wie eine „No - go - Area“ gewesen sei.

Dank IBA und IGS flössen hunderte von Millionen Euro für bauliche Maßnahmen nach Wilhelmsburg. Wilhelmsburg würde eine innovative, architektonische Sehenswürdigkeit werden.

Es ginge darum neugierige Menschen auf die Insel zu locken, die auch bleiben.

Die Baumaßnahme „Energiebunker“ würde Anfang 2013 abgeschlossen sein.

Ein wenig euphorisch bin ich ja auch. Natürlich sehe ich attraktive baulichen Veränderungen im Stadtteil, dass sich womöglich ein Wandel ankündigt.

Nur für manche geht es dann alles aber doch ein wenig sehr schnell, zudem sind die baulichen Maßnahmen oft mit absolut viel Baulärm, Dreck u. Einschränkungen (siehe oben) verbunden.

Ich habe neulich eine ältere Dame getroffen, die lange in Wilhelmsburg gelebt hat.

Sie sagt mir, dass sie kaum mehr etwas wieder erkennen würde, gerade im Bereich der Veringstraße und der Weimarer Straße.

Dass sie sich hier nicht mehr heimisch fühlen könne, sie fände keine bekannten, ihr vertrauten Punkte. Sie hat  auf mich traurig gewirkt.

Für manchen Zeitgenossen ist Wilhelmsburg einfach „in die Schönheitsfarm gekommen“, für manchen Architekten, Stadtplaner zur architektonischen Spielwiese für eine Stadt der Zukunft geworden.

In jedem Fall wird viel davon abhängen, ob wir Wilhelmsburger, um uns geht es ja in erster Linie, den Wandel akzeptieren und als Chance begreifen. Und dann auch den Dreck und Baulärm - im Nachhinein - als notwendig akzeptieren.

 

Daniel S.

August 2012