Integrationspreis 2009

Textfeld: Samstag, 5. Dezember 2009 DER NEUE RUF
Hip Hop im Hamburger Rathaus

Wilhelmsburger Projekte mit Integrationspreis ausgezeichnet

Da steppte der Bär im Festsaal des Hamburger Rathauses.
Unbeeindruckt von der imposanten Kulisse und den rund 300
anwesenden Gästen, darunter Sozialsenator Dietrich Wersich
und einige Konsuln, rappte das Wilhelmsburger Projekt
„Music with friends“ und zeigte sein Können. Grund des Auftritts:
Das Projekt wurde mit dem ersten Preis des 4. Hamburger
Integrationspreises ausgezeichnet. Übrigens nicht
die einzigen Wilhelmsburger, die an diesem Abend ausgezeichnet
wurden.

HAMBURG/WILHELMSBURG.

„Geh mit mir auf uns zu!“ – unter diesem Motto wurde am vergangenen Montag Abend der 4. Hamburger Integrationspreis verliehen. Im Mittelpunkt der Auswahl standen diesmal ehrenamtliche Initiativen. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro, das die Jury aus Mitgliedern des Hamburger Integrationsbeirates vergibt, wurde von SAGA GWG zur Verfügung gestellt. „Integration hat viele Facetten und bedeutet weit mehr, als die Schule zu besuchen oder einen Beruf auszuüben. Aber echte Eingliederung in unsere Gesellschaft kann nicht der Staat leisten, sondern diese geht nur von Mensch zu Mensch“, so Sozialsenator Dietrich Wersich. „Deshalb brauchen wir gerade ehrenamtliche Initiativen, die sich in besonderer Weise in der Förderung eines friedlichen und gemeinschaftlichen Lebens verschiedener Kulturen engagieren.“
Gleich drei Preise gingen an Projekte südlich der Elbe, zwei nach Wilhelmsburg, einer nach Harburg. Das Projekt „Music with friends“ des Vereins zur Förderung der Integration in Wilhelmsburg teilte sich mit der „Generation Zukunft“ der Hauptkirche St. Michaelis den ersten Preis und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro.
Vor zehn Jahren startete das Projekt im Haus der Jugend Wilhelmsburg (HdJ). Fünf junge Männer wollten Musik machen, HdJ-Leiter Uli Gomolzig stellte ihnen damals den ehemaligen Boxraum zur Verfügung. Schalldämmung, Technik, Instrumente – all das besorgten sich die Gründer vom Projekt „Music with friends“ selber. Aus dem fünfköpfigen Team ist mittlerweile ein großartiges Projekt geworden, dass mit der Musik alle nationalen Unterschiede überwindet. Bis zu 60 Kinder und Jugendliche treffen sich regelmäßig, um vor allen Dingen Hip Hop zu machen. Dabei achten die beiden noch verbliebenen Gründungsmitglieder Juan Carlos Padilla Mora und Özgür Atak penibel darauf, dass die Liedtexte nicht sexistisch und gewaltverherrlichend sind. Nicht nur kostenloser Musikunterricht für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche wird angeboten, auch die Entwicklung von Songtexten und Melodien mit der anschließenden Umsetzung im Tonstudio stehen auf dem Programm.
„Ich freue mich für die Jungs, dass sie den Preis gewonnen haben. Ich habe immer wieder bewundert, dass sie durchgehalten haben“, ist Uli Gomolzig begeistert.

Und auch Juan Carlos Padilla Mora und Özgür Atak sind stolz auf das Erreichte: „Wir fühlen uns sehr geehrt, aber das hätten wir nicht ohne unsere Jugendlichen erreicht“, betont Atak. Mit dem Preisgeld wird nun das Equipment verstärkt.
Die Jury unter dem Vorsitz von Sozialstaatsrat Dr. Michael Voges hatte indes keine leichte Auswahl zu treffen. „Alle Projekte sind preiswürdig“, so Wersich. Mehr als 40 Bewerbungen waren eingegangen, die Jury, bestehend aus Renate Schneider
(Hamburger Abendblatt), Ramis Kilicarslan (Zaman), Hourvash Pourkian (Kulturbrücke Hamburg e.V.) und Michael Wulf (SAGA GWG), entschied sich, das Preisgeld aufzuteilen. Daher gab es neben zwei ersten Preisen auch zwei dritte Preise.
Den zweiten Preis, dotiert mit 2.000 Euro, erhielt das Löwenhaus aus Harburg. Das Projekt wendet sich an Kinder der Klassen 1. bis 6., die in der Schule Probleme haben (nicht „mitkommen“) oder einfach „schulmüde“ sind oder nach Schulschluss auf sich allein gestellt wären. Ab mittags ist im Löwenhaus in der Kalischerstraße 9 a im Harburger Phoenixviertel immer ein Ansprechpartner anwesend. Das Löwenhaus ist eine Einrichtung des Arbeiter-Samariter Bundes und wird durch Spenden finanziert. Neben einem warmen Mittagessen erhalten Kinder und Jugendliche Unterstützung in allen Lebensbereichen. Außerdem werden Freizeitaktivitäten gemeinsam geplant und ausgeführt. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass unsere Arbeit auch in Hamburg gewürdigt wird“, freut sich Leiterin Leonie Werner.
Den dritten Preis teilen sich die Projekte „mitKids“ der Ehlerding-Stiftung und das Wilhelmsburger Projekt „academie crearTaT“. Bereits seit 2001 ist Irine Ruf auf der Elbinsel tätig. Mit ihrem Projekt „Wohin mit meiner Wut“ startete die Tanz- und Theaterpädagogin ihre Arbeit in Wilhelmsburg und betreibt seitdem kulturelle Gewaltprävention an Schulen im Stadtteil. In ihren Projekten soll Schülern ein Weg aufgezeigt werden, wie sie durch Tanz und Theater mit ihrer Wut und Aggression umgehen können. Am Ende der Projekte werden die gemeinsam erarbeiteten Theaterstücke aufgeführt. 2007 gründete Irine Ruf die „academie crearTaT“. Mittlerweile arbeitet Irine Ruf nicht nur mit Schülern, unter anderem werden auch seit 2007 Studierende der Universität Hamburg und Freizeitbetreuer des Jugenderholungswerks für das Theater-Sprach-Camp ausgebildet. „Dieser Preis ist ein Segen. Es ist gut, dass wir überhaupt wahrgenommen werden. Das ist die erste Anerkennung in Hamburg“, so Ruf. Mit einem Anerkennungspreis würdigte die Jury zudem das Engagement um den interreligiösen Dialog der Vereine Nord-Dialog e.V. und des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstituts. Zum krönenden Abschluss der Preisverleihung legten dann die Rapper von „Music with friends“ einen fulminanten Auftritt im ehrwürdigen Festsaal hin. Schüler und Schülerinnen der Gesamtschule Kirchdorf und Rapper vom HdJ Wilhelmsburg zeigten ihr Können und begeisterten die anwesenden Gäste, die den Auftritt mit viel Applaus würdigten.

 

Juan Carlos Padilla Mora (v.li.), Uli Gomolzig und Özgür Atak nahmen den ersten Preis entgegen