Mein Nachbar, der Flüchtling!

In vielen Ländern herrscht Krieg, zum Teil schon seit vielen Jahren.

Ein Ende ist meist nicht in Sicht. Das Leben in diesen Ländern ist unerträglich und gefährdet häufig Leib und Leben der Menschen. Um sich und ihre Familien zu retten, unternehmen viele von ihnen einen Fluchtversuch.

Einige dieser Flüchtlinge landen letztendlich hier in Wilhelmsburg.

In den vergangenen Monaten entstanden in Wilhelmsburg mehrere Einrichtungen zur Erstaufnahme um den ankommenden Flüchtlingen notdürftige Unterkünfte bieten zu können. Diese befinden sich beispielsweise in der Dratelnstraße und am Karl-Arnold-Ring.

Darüber hinaus werden Einrichtungen zur Folgeunterbringung zur Verfügung gestellt oder aber neu gebaut, wie im Bereich der Sanitasstraße.

Die Wilhelmsburger Bevölkerung zeigt sich vielfach bemerkenswert solidarisch mit den Vertriebenen und hilft auf verschiedenste Art und Weise. So bildete sich im Herbst letzten Jahres die von Ehrenamtlichen organisierte Initiative „Die Insel hilft“. Mittlerweile wurde aus der Initiative ein Verein, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Flüchtlinge willkommen zu heißen, ihnen den Lebensalltag zu vereinfachen und eine erfolgreiche Integration zu ermöglichen. Die Vereinsmitglieder sammeln Spenden, organisieren Deutschkurse und bieten diverse Freizeitangebote für die Flüchtlinge.

Zahlreiche Einrichtungen, speziell die der Kinder- und Jugendhilfe, zeigen großes Engagement, Angebote für Flüchtlinge zu entwickeln. Das Haus der Jugend (HdJ) Wilhelmsburg bietet dementsprechend unter anderem z. B. psychomotorische Sportangebote für Kinder aus den Unterkünften an. Einmal pro Woche kommen Kinder aus den Unterkünften der Dratelnstraße und des Karl-Arnold-Rings ins HdJ Wilhelmsburg, um sich eine Stunde lang auszutoben und dabei ihre motorischen, wie auch sprachlichen Fähigkeiten - pädagogisch betreut - auf bzw. auszubauen.

Viele der Flüchtlingskinder sind infolge des Erlebten traumatisiert und benötigen häufig eine intensivere Betreuung. Diese kann jedoch nur bedingt durch das Programm des Hauses der Jugend gewährleistet werden. Hier und generell ist die Stadt gefragt, weitere Ressourcen sowohl in finanzieller, als auch in personeller Art freizugeben.

Initiiert wurde das regelmäßig stattfindende HdJ Angebot von Peter Fischer, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter das Psychomotorik - Angebot im HdJ seit langer Zeit unterstützt. Anfang November 2014 nahm er Kontakt zur Flüchtlingsunterkunft am Karl-Arnold-Ring auf. Der Bedarf an einem sportlichen Angebot war überwältigend. Rund 80 Kinder und Erwachsene füllten an diesem Tag das Haus der Jugend. Sie nahmen das Angebot voller Begeisterung an, woraus die Idee entstand, das Projekt fest zu etablieren.

Derzeit wird das Projekt u. a. von Christina Grovu, einer weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterin, unterstützt. Die Anzahl der Kinder, die das Psychomotorik-Angebot wahrnehmen, variiert jedoch von Woche zu Woche, da die Fluktuation in den Zentralen Erstaufnahmen sehr stark ist. In der Regel sind die Flüchtlinge dort nur für wenige Tage oder maximal Wochen untergebracht.

Seit Kurzem nehmen auch immer mehr Jung - Erwachsene aus den Unterkünften das Angebot der Fitnessräume im HdJ Wilhelmsburg wahr. Sie kommen regelmäßig und trainieren voller Freude an den Hantelbänken und anderen Fitnessgeräten.

Sehr gerne werden auch die Kicker oder die Tischtennisplatten von diesen Jugendlichen genutzt.

Überdies gibt es die Möglichkeit, eine Sprechstunde zur Beratung und Unterstützung bzw. Klärung von Fragen und Problemen, durch die Falllotsin des Margaretenhorts, in Anspruch zu nehmen.

 

Wir beobachten, dass das HdJ durch diese vielfältigen Angebote und Projekte - auch für viele Flüchtlinge - ein attraktiver Ort der Begegnung und Freizeitgestaltung geworden ist.

 

Rebecca Kühlmorgen und Andreas Thomforde im März 2015